Entschleunigen…..

Entschleunigen…..

Ich hätte nie gedacht, dass Entschleunigung so viel bewirkt……

In den letzten Wochen, seit der auferlegten, coronabedingten Zwangspause, habe ich Wundersames festgestellt.

Ein paar Anpassungen in der Basalrate habe ich vorgenommen – abends etwas hochgefahren und morgens etwas heruntergefahren.

Leider hatte ich Pech mit meiner CGM-App Spike, die nachtsüber in der letzten Zeit immer öfters ausgefallen ist, so dass ich jetzt doch zähneknirschend bei der offiziellen Dexcom-App gelandet bin.

Was kann ich feststellen. Bis auf die nächtlichen Entgleisungen wegen dem Ausfall der App und einigen mitternächtlichen Heißhungerattacken, bewegen sich meine Zuckerwerte überwiegend in meinem Normbereich zwischen 70mg/dl und 180 mg/dl. Vor allem tagsüber laufe ich ziemlich stabil – ohne nennenswerte Hyos. Auch nach dem Essen steigen meine Werte auf höchstens 180 mg/dl an, obwohl ich meinen Konsum an Süßigkeiten erhöht habe…..

Anscheinend tut das lange Herumsitzen am heimischen Rechner für meinem Zuckerverlauf gut zu tun. Warum ist das so?

Der wesentliche Faktor ist wohl, dass ich viel mehr Zeit darauf verwenden kann, meine Zuckerwerte zu beobachten und korrigierend einzugreifen. Dennoch stelle ich überraschenderweise ebenso fest:

es fallen viele stressbedingte Faktoren, die eine erhöhte Hormonausschüttungen von Cortisol oder Adrenalin bedingen, weg, die den Zuckerverlauf tagsüber wohl stärker beeinflussen, als ich dachte.

Und ich denke, wir alle haben bereits festgestellt, dass hormonbedingte Zuckeränderungen durch das Loopen schwer abgefangen werden können.

Irgendwie fühle ich eine Ruhe, die ich sonst nicht kenne. Alles um mich herum ist quasi still, obwohl ich mitten in der Stadt wohne. Eine Grundspannung, die ich tagsüber normalerweise fühle und wahrnehme, ist weggefallen.

Ich finde das paradox, denn folge ich den Nachrichten und den TV-Talkshows, scheinen viele Menschen von Corona, dem Kontaktverbot, der damit verbundenen häuslichen Enge gestresst zu sein. Da scheine ich anders zu ticken…. nein, nicht ganz:-)

Mir tut diese Langeweile gut. Nichts desto trotz wünsche ich mir das normale, auch stressige Leben zurück, denn diese Ruhe fühlt sich irgendwie gruselig und surreal an.

Hier bewahrheitet sich der Spruch: No risk, no fun.

Was ich als Lehre daraus für mich ziehe.

Eine gut Balance zwischen Spannung und Entspannung zu finden, wird beim Beschleunigen des Lebens eine wichtige Aufgabe sein, um mir und meinen Zuckerten etwas gutes zu tun.

Bin gespannt, ob es klappt:-)

Alen

2 Kommentare

CaroGo Posted on 12:09 - 8. April 2020

Hallo Alen,
bei mir ist es ganz anders… die Entschleunigung, die ja auch mal gut tut, wirkt sich auf meinen Blutzucker eher schlecht aus. Meine Basalrate war auf den Alltag in der Schule angelegt… da bin ich den ganzen Morgen auf den Beinen und Dauerkonzentriert… beim Homeoffice dagegen sitze ich recht entspannt herum und habe weniger Bewegung und auch weniger Aufregung.. das lässt meinen Insulinbedarf deutlich steigen. Ich habe derzeit eine um gut 50 % höhere Basalrate eingestellt… Die Aufregung in der Schule wirkt da eher BZ-senkend…Ausnahme sind die Lehrerkonferenzen… da musste ich immer Profil hoch, TT runter setzen und hatte trotzdem hohe Werte – und zwar genau für die Dauer der Konferenz. Dies spricht in meinen Augen dafür, dass hier eine Resistenz aufgrund von Adrenalin oder ähnlichen Dingen besteht… Lustig eingentlich! Die Gemütlslage in den Konferenzen ist eine andere als im Unterricht selber! 😉
Aber das zeigt ja auch deutlich, wie unterschiedlich jeder Diabetes sein kann – ydmv! your diabetes may vary!

    Alen Posted on 14:32 - 8. April 2020

    Liebe Caro,

    da hast du vollkommen Recht, dass der Diabetes variiert.

    Ich dachte früher, dass der Diabetes eine einfache Verkettung von Ursache und Wirkung ist. Heute weiß ich, dass Diabetes etwas ganz Komplexes ist.

    Wir beide reagieren unterschiedlich auf das momentane Wohnungsgefängnis, aber auch im Alltag reagiert der Diabetes nicht immer so, wie ich es erwarten würde…..

    Es bleibt spannend. Das Loopen hilft mir jedenfalls zu versehen, dass der Diabetes nur ganzheitlich zu verstehen ist, da wirklich Vieles eine Rolle spielt. Dank dir und Doc Riedel bin ich zum Loopen gekommen:-)

    Ich hoffe für uns beide, dass wir bald wieder ein Stück Normalität haben werden, denn dieser Zustand tut nicht gut……

    Bis bald 🙂

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: