Sommer & Diabetes

Ist schon komisch, warum ich im Sommer viel weniger Insulin benötige als im Winter. Was läuft da anders und wie lässt sich das Phänomen auf molekular-biologischer Ebene erklären?

Mir ist klar, dass sich im Sommer der Körper umstellt, der Hormonhaushalt anders läuft und der Stoffwechsel generell anders abläuft – allein schon wegen er Wärmeenergie, die den Körper geschmeidiger laufen lässt (zumindest bei mir).

Aber was sind die genauen Zusammenhänge? Recherchen bei Google haben mich da nicht wirklich weitergebracht.

Ich verstehe den Zusammenhang nicht, warum im Sommer die Insulinsensitivität viel höher ist als im Winter.

Insulin ist der Schlüssel, um die Glukose in die Zelle zu transportieren. Die Rezeptorenanzahl an den Zellen wird sich im Sommer ja nicht ändern, so dass die Anzahl der Insulin-Glukose-Rezeptoren im Vergleich zum Winter gleich bleibt. Oder ändern sich die Anzahl?

Welche Faktoren spielen da noch eine Rolle? Die Bindungsfähigkeit des Insulins? Die Bindungsfähigkeit der Glukose?

Da die Körpertemperatur im Sommer und im Winter annähernd gleich bleibt, nämlich 37 Grad Celsius, dürfte das ja auch keinen Einfluss haben. Klar, im Winter benötigen wir mehr Energie, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten.

Welche Faktoren, vor allem auf hormoneller Ebene, spielen da noch eine Rolle?

Gibt es hier bei uns in der Community WissenschaftlerInnen, die das Phänomen der erhöhten Insulinsensitivität im Sommer erklären können?

Es darf sich aber gerne jeder und jede bei mir melden, nicht nur WisenschaftlerInnen.

Überhaupt scheint das Feld zur Insulinsensitivität komplex zu sein. Was ich bisher gelernt habe, ist, dass wir die Phänomene lediglich beschreiben und hinnehmen. Bisher bin ich bei der Beantwortung dieser Frage immer auf Grenzen gestoßen.

Ich freue mich sehr über zahlreiche Antworten Eurerseits. Über Buchtipps oder Links zu wissenschaftlichen Artikeln wäre ich euch sehr dankbar.

Sooo, beim Durchlesen dieses Beitrags kam mir in den Sinn, die Frage mal bei der Sendung mit der Maus zu platzieren:-)

6 thoughts on “Sommer & Diabetes

  1. Gute Fragen! Wer nicht fragt bleibt dumm! Hieß es schon damals in der Sesamstraße! Bin gespannt, auf Antworten 😉

    1. Lol, Danke für deinen Kommentar, liebe Caro. Normalerweise findet sich bei Google immer ein Ansatzpunkt, doch ich bin da jetzt echt an meine Grenzen gestoßen. Ich hoffe auch, dass einige Antworten eingehen…..

  2. Hallo zusammen,
    ich loope seit einem Jahr begeistert (mit AAPS) und lese hier immer mal wieder sehr interessiert mit!
    Ein Faktor, den man wohl nicht außer acht lassen kann, auch wenn er noch immer nicht ausreichend erforscht ist (und teilweise in gewissen Kreisen als “Allheilmittel” missbraucht wird), dürfte der Vitamin-D-Spiegel sein. Dana Lewis hatte schon mal darauf hingewiesen, dass sie ziemlich sicher ist, dass er bei ihr den Gesamt-Insulinverbrauch beeinflusst (https://diyps.org/2018/02/09/vitamin-d-and-insulin-sensitivity/).
    Zumindest bei einem Mangel könnte es also zu Problemen mit der Insulinempfindlichkeit kommen (Prof. Badenhoop ist wohl einer der maßgeblichen Forscher, bei Interesse lassen sich mehrere Statements googlen) und evtl. könnte das auch das Nord-Süd-Gefälle beim Typ1 erklären.
    Erst mit dem Loopen habe ich überhaupt angefangen, das so genau zu beobachten, aber ich bin mir mittlerweile auch ziemlich sicher, dass der Vitamin-D-Spiegel eine Rolle spielt – wobei er bei mir zwar auch den Gesamtbedarf ändert, aber vor allem entprechende Plateaus verursacht, bei denen Fiasp wie ein deutlich langsameres Insulin wirkt (eine Hypo kommt dann entsprechend hinterher) und Fiasp manchmal trotz extremer Dosis gar nicht zu wirken scheint (ich musste in AAPS schon mal zwischendurch die Einstellung auf insulinresistent ändern) – besonders bemerke ich das seit dem letzten Herbst durch den Corona-Winter/Frühling hindurch, der bei mir auf jeden Fall mit weniger Tageslicht verbunden ist). Entsprechende Eintragungen nach Vitamin-D-Tabletteneinnahme in Nighscout zeigen bei mir recht zuverlässig eine positive Wirkung (TIR von 70% auf wieder über 90%, wobei ich den Vitamin-D-Spiegel nicht habe bestimmen lassen).
    Beste Grüße und vielen Dank für Euer Engagement!

    1. Hallo Oskar, vielen Dank für deinen Kommentar. Den Aspekt mit dem Vitamin D finde ich sehr interessant und spannend. Ich stoße in letzter Zeit auf immer mehr Zusammenhänge, die im Bezug auf Diabetes nicht in Gänze erforscht sind. Es sind immer nur Annahmen, Vermutungen, Bilder, die einer wissenschaftlich verifizierbaren Grundlage entbehren. Vom Verständnis her, macht das mit dem Vitamin D durchaus Sinn, da der Vitamin-D Spiegel die Arbeitsweise des Immunsystems beeinflusst. Den Nord-Süd-Zusammenhang gibt es ebenfalls bei anderen Auto-Immunerkrankungen wie bei Multipler Sklerose. Lass uns weiter diskutieren. Falls du Links zu Forschungsarbeiten oder Papern hast, würde ich mich freuen, wenn du sie mir weiterleitest. Dir einen schönen Tag und liebe Grüße Alen.

  3. Hallo Alen,
    anfags schreibst du von weniger Insulin im Sommer, später dann von erhöhter Sensitivität. Das wären ja zunächst verschieden Dinge. Woher weisst du, was davon genau sich bei dir im Sommer ändert?

    Im Sommer habe ich eine ganz andere Lebensweise, z.B. mehr an der frischen Luft, mehr Bewegung draußen. Das hat erstmal den Effekt, daß sich durch die Bewegung die Sensitivität erhöht, auch noch Stunden bis einen Tag nach dem Sport.

    Der zweite Effekt ist die erhöhte Exposition der Haut zum Sonnenlicht. Im Licht des oben von Oskar erwähnten Punktes zum möglichen Einfluß von Vitamin D ist das interessant, denn das führt zu erhöhter Vitamin-D Produktion. Zum Thema Vitamin-D Mangel im Winter findest du bestimmt Beiträge im Netz.

    Du hast auch das Thema Temperatur angeführt. Normalerweise braucht ein System (Maschine, Mensch) mehr Energie zum Kühlen als zum Erwärmen. Auch das könnte einen Einfluß auf Sensitivität oder Verbrauch haben.

    Und was ist mit der Nahrung? Bei großer Hitze habe ich weniger Lust zu großen Mahlzeiten, als rediziert das den Bedarf. Auch der Fettanteil könnte anders sein und über den Fettstoffwechsel miit seinen freien Fettsäuren Einfluß auf die Insulinsensitivität haben.

    Als ein sehr interessantes aber auch vielschichtiges Thema. Die diversen Einflüsse sind in Studien sicher nicht einfach zu trennen und vielleicht auch deshalb wenig erforscht bzw. dokumentiert. Die TeQFr1 Studie beginnt gerade ihre heisse Phase um 6 Monate lang Loopdaten zu sammeln. Da haben wir also Daten aus Sommer, Herbst und Winter. Dieser Jahreszeitenvergleich war noch nicht auf unserem Radar und ich werde das beim nächsten Treffen vorschlagen.

    1. Liebe Ga-zelle,

      alles gute Punkte, die du aufführst. Ich habe im Sommer und Winter fast dieselben Bewegungsabläufe.

      Was ich erstaunlich finde, ist, dass wir die Sachen nur beschreiben können und rumraten, woran es liegt, dass der Insulinbedarf im Sommer sinkt.

      Das darf doch nach 100 Jahren mit Insulinzufuhr kein Ratespiel mehr sein, sondern muss doch klar nachgewiesen werden können, da uns die meisten Stoffwechselvorgänge bekannt sind – und damit kann man diese Effekte molekularbiologisch untersuchen.

      Mich erstaunt wirklich, dass im Bereich Diabetes Vieles noch unklar ist, als ob es Diabetes als Erkrankung gar nicht gäbe. Das müssen wir ändern, denn je mehr wir über die molekularbiologischen Vorgänge wissen, desto näher rücken wir Möglichkeiten, Diabetes zu heilen!!! Je mehr Daten, umso besser.

      Vielen Dank für deinen Kommentar:-)

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