OmniPod im Looptest

Klaus hat mich auf die Idee gebracht, meine Testerfahrungen mit iOS Loop und dem OmniPod sowie AAPS in Kombination mit OmniCore und dem OmniPod aufzuschreiben – Danke @ Klaus:-)

Ich werde daher auf die wesentlichen Pros und Kontras eingehen und nicht so sehr auf die Unterschiede zwischen Loop und AAPS eingehen.



Ich fange zunächst mit AAPS und OmniCore an.
Normalerweise nutze ich Loop mit einer Medtronic-Pumpe oder dem OmniPod.

Für diejenigen, die AAPS mit OmniCore und dem Omnipod testen möchten, anbei ein paar nützliche Links, wo ihr die Dateien herbekommt, die ihr für den Betrieb benötigt.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ihr die Dokumentation lesen solltet, um zu verstehen, was Omnivore tut und kann:-)

Natürlich tut ihr das Ganze auf eigene Verantwortung und euch sollte stets bewusst sein, dass ihr sowohl bei OmniCore als auch bei der AAPS-Version Testversionen nutzt, die noch fehleranfällig sein können.

  1. Als erstes benötigt ihr den Code, um euch die OmniCore-APK herzustellen. Den Code bekommt ihr über die Platform GitHub vom Entwickler Barış Kurtlutepe: hhttps://github.com/winemug/OmniCorettps://github.com/winemug/OmniCore
  2. Dann benötigt ihr eine AAPS-Version, die OmniCore als Pumpenmodell ermöglicht. Den Code findet ihr hier: https://github.com/winemug/AndroidAPS

Wenn ihr die APKs hergestellt und die Apps installiert habt, kann es losgehen.

Zunächst dürft ihr euren RileyLink nicht über das Bluetooth-Menü eures Smartphones anmelden. Öffnet OmniCore und drückt den Menüpunkt Activate Pod.

OmniCore Startbildschirm

Soweit lief bei mir alles problemlos. Ich konnte den Pod ohne Zicken aktivieren, ich habe dann Setup-Wizard von AAPS genutzt und AAPS für mich eingestellt. 

Die Kommunikation zwischen AAPS und OmniCore lief einwandfrei. Die Steuerung des Pods durch AAPS und OmniCore ermöglichte alle Funktionalitäten, die AAPS zu bieten hat – von temporären Basalraten bis hin zum Supermikrobolus. 

Allerdings finde ich es schade, dass man zwischen OmniCore und AAPS stets wechseln muss, um die Pod-Daten einzusehen. Wesentliche Daten zum Pod, wie die abgegebene Insulinmenge, die Podtragedauer, den Verbindungsstatus zum RileyLink, seht ihr im OmniCore-Startbildschirm.

Es wäre schön, wenn die AAPS-Entwickler die OmniCore-Funktionalitäten in AAPS integrieren würden, damit man alles aus AAPS heraus bedienen kann.

Bevor dies geschehen kann, muss Barış allerdings noch einen entscheidenden Bug korrigieren.

Wenn die Verbindung zwischen OmniCore und dem RileyLink im Betrieb verloren geht, ist es sehr aufreibend, die Verbindung wiederherzustellen.

Es gab zwei Wege, die Verbindung mühsam wiederherzustellen.

  1. Ich habe den RileyLink aus und wieder an gemacht.
    Ich habe das Smartphone neu gestartet.
    Danach habe ich OmniCore gestartet und die Update-Taste
    gedrückt.
  2. Per Zufall habe ich diesen Workaround gefunden:
    Ich habe den RileyLink, anstatt ihn auszumachen, mit der Loop-
    App verbunden. Nachdem ich die Verbindung zwischen Loop und dem RileyLink beendet habe, konnte daraufhin die Anmeldung mit OmniCore ganz normal über die Update-Taste erfolgen.

Das lässt vermuten, dass beim Abmeldevorgang etwas im RileyLink nicht abgemeldet wird, so dass keine neue Verbindung aufgebaut werden kann.

Eine Auflistung der bestehenden Probleme von OmniCore findet ihr auf dieser Seite.

Ich hoffe, dass die Bugs bald behoben werden, denn dann wird es möglich sein, den OmniPod mit AAPS problemlos zu betreiben.

Wie gesagt, eine Integration von OmniCore in AAPS wäre dann das i-Tüpfelchen.


Nun zum OmniPod mit der Loop-App


Die Loop-Branch zum Testen des OmniPods findet ihr hier. (Bei späterem Zugriff auf den Link, also in Zukunft, checkt bitte die Aktualität des Links. Es wird mittlerweile sicherlich neuere Releases geben.)

Nach dem Kompilieren der Loop-App, kann es direkt losgehen. Die gesamte Steuerung läuft aus der Loop-App heraus.

Ihr verbindet den RileyLink und dann könnt ihr direkt mit der Aktivierung des Pods fortfahren.

Der OmniPod läuft absolut reibungslos mit Loop.

Es gibt sowohl bei der Verbindung mit dem RileyLink, als auch bei Bolusabgaben und dem Einrichten von temporären Basalraten keinerlei Probleme mit der Steuerung des Pods.

Ich habe auch den JoJo-Branch mit dem Pod betrieben. Es gab auch hier keinerlei Probleme. Der Override, also das Hoch- oder Herunterfahren der Basalrate auf einen bestimmten Prozentwert, lief tadellos.

Ich möchte erwähnen, dass die Entwickler von Loop die Steuerungscodes des Pods in dreijähriger, mühevoller Arbeit in Loop integriert haben. Seit dem 22. April 2019 gibt es nun den OmniPod-Testing-Branch.

Mittlerweile kooperieren die Loop-Entwickler mit verschiedenen Firmen wie Dexcom, Insulet und Medtronic.

Die Loop-Entwickler haben sich zu Tidepool zusammengeschlossen und beabsichtigen, Loop soweit zu entwickeln, dass sie für Loop bei der FDA, der US-Gesundheitsbehörde, eine Zulassung als Medizinprodukt erhalten.

Zusammenfassend kann ich festhalten, dass alle Testversionen erstaunlich gut liefen. Alle wesentlichen Funktionen, die ich getestet habe, liefen erstaunlicherweise problemlos.

Der Betrieb des OmniPods mit Loop ist einfacher. Das Handling ist komfortabler und läuft sehr stabil.

Allerdings ist das Finetuning, das AAPS bietet, durchaus sehr verlockend und ein Vorteil gegenüber Loop.

Letzenendes müsst ihr entscheiden, welches System euch eher liegt. Wenn die wesentlichen Bugs bei OmniCore behoben sind, stehen OmniPod-Fans beide Systeme zur Verfügung.

Ich finde, das ist eine tolle Entwicklung. Je mehr Loop-Möglichkeiten es gibt, umso besser.

Momentan nutze ich den Pod abwechselnd mit meiner Medtronic-Pumpe, je nach Situation, wie es gerade passt.

Ich überlege gerade, ob ich das Modell auch auf die Nutzung von AAPS und Loop ausweiten soll, indem ich mir ein zweites Smartphone anschaffe. Ich überlege noch:-)

Folgende Insulinpumpen sind zur Zeit loopfähig:

AAPS:

Dana R, Dana RS, Akku-Check Combo, Insight, Omnipod (Eros)
Medtronic 512/712, 515/715, 522/722,523/723 (Firmware 2.4A oder älter), 554/754 EU Version (Firmware (2.6A oder älter) 554/754 Kanada Version (Firmware 2.7A oder älter)

Loopkit:

Medtronic 515/715, 522/722, 523/723 (Firmware 2.A4 oder älter), Medtronic Worldwide 554/754 (Firmware 2.6A oder älter), Canadian/Australian VEO554/754 (Firmware 2.7A oder älter), Omnipod (Eros)

OpenAPS:

Medtronic 512/712, 515/715, 522/722,523/723 (Firmware 2.4A oder älter), 554/754 EU Version (Firmware (2.6A oder älter) 554/754 Kanada Version (Firmware 2.7A oder älter)


Insulinpumpen-App-Matrix
Quelle: Alen

Wieviel Mut gehört dazu mit dem Loopen anzufangen?

Einige von Euch überlegen vielleicht noch, ob sie sich trauen sollen. Jeder Jeck ist anders, aber ich wollte Euch Mal von meinen Überlegungen dazu berichten. Die helfen Euch hoffentlich bei Eurer Entscheidung.

Nachdem ich beim Kölner Diabetikertag im April vom Loopen/Nightcout/usw. gehört hatte, habe ich den folgenden Tag damit verbracht mich durch die Dokumentationen zu arbeiten. Da ich die kompatible Hardware schon hatte (Accu_Chek Combo / Eversense CGM / Android Smart Phone) und ich gern neue Technologien ausprobiere, gab es eigentlich keinen Grund zu warten. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die erste Entscheidung war das Erzeugen von AndroidAPS. Darin sah ich keinerlei Risiko, denn das Phone kann dabei nicht kaputt gehen. Falls die App Blödsinn macht, kann ich sie anhalten oder notfalls deinstallieren.

Die zweite Entscheidung war der Austausch der originalen Eversense CGM App gegen die gepatchte Variante. Die verhielt sich so wie die Originalversion und im Notfall hätte ich einfach zurücktauschen können. Alle Alarme für niedrig/hoch/schnelle Änderung funktionierten wie vorher. Um 150% sicher zu gehen, hatte ich die originale CGM App auch auf dem anderen Phone installiert und hätte den Sensor dann einfach damit gekoppelt. Also war hier das Risiko sehr gering und Fehlverhalten hätte nur wenige Minuten bis zum Rücktausch wirken können.

Die dritte Entscheidung war das Konfigurieren meiner Combo als Vorbereitung für den Loop. Über den Punkt habe ich etwas länger nachgedacht, nämlich was wäre wenn. Schließlich ging mir der Komfort mehrerer lokaler Profile verloren. Zunächst hatte ich die momentane Konfiguration gespeichert, und zwar mit der Accu-Chek 360 Pump Configuration Software. Das war mein möglicher Weg zurück, jedenfalls solange ich Zugang zum PC mit dieser Software und dem Backupfile habe. Ansonsten könnte ich ja jederzeit manuell die Pumpe anhalten, Boli abgeben oder die Basalrate prozentual anpassen. Das wäre zwar etwas aufwändig bis zu einer eventuellen Rückabwicklung aber nicht kritisch.

Inzwischen habe ich gemerkt, das ich die Combo mit AndroidAPS fernsteuern kann und eventuelle manuelle Eingriffe somit sehr einfach wären.

Die vierte Entscheidung war der eigentliche Start des Loops. Zunächst ging das ja nur im „open“ Modus, barg also solange kein neues Risiko. Da in dieser Phase keine sicherheitsrelevanten Probleme auftraten, sah ich den Übergang zum Closed Loop nicht als kritisch an. Als zusätzliche Sicherheit bleiben ja immer noch die Alarme aus dem CGM System erhalten.

Die fünfte Entscheidung mit Bezug auf Sicherheit hat mit Nightscout zu tun. Eigentlich möchte meine Daten bei mir behalten und habe die Mongo Datenbank auf meinem Windwos10 Rechner installiert. Da sitzt sie immer noch und rührt sich nicht. Also habe ich den externen Account doch angelegt. Inzwischen bastele ich an einer eigenen Datenbank, die sich die Daten aus den Android Logfiles zieht, aber das wäre ein anderer Thread.

Aus heutiger Sicht kann ich zusammenfassend sagen, dass sich meine Sicherheitslage sogar verbessert hat, auch unabhängig von der Performance des Loops. Ich habe nämlich das mir vorher unbekannte xDrip+ so konfiguriert, dass es mir alle 10 Minuten den aktuellen BZ Wert ansagen kann. Das schalte ich an, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und habe schon deswegen keine Sorge mehr von einer Hypo überrascht zu werden.

Bleibt oder werdet guten Mutes.

Loopen ist mehr als Technik

Verständlicherweise verbindet man zuerst technische Aspekte, wie das Compilieren der Apps, das Verbinden der CGM-Daten oder das Aufsetzen der eigenen Nightscout-Seite mit dem Loopen.

Das kann ich voll nachvollziehen, denn das war für mich am Anfang genauso.
Ich stand vor den ganzen Wahlmöglichkeiten und ich habe den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Die technischen Aspekte standen auch für mich im Vordergrund.

Vor allem fasziniert mich immer noch der Algorithmus der iOS-Loop-App. Jahrzehntelang bin ich oft verzweifelt, weil ich es nicht geschafft habe, das Wissen über meinen Diabetes richtig in die Tat umzusetzen.
Heute weiß ich, dass der Diabetes mehr als komplex ist.

Mithilfe der Berechnungen, die Loop alle 5 Minuten durchführt, schaffe ich es nun, überwiegend in meiner Range zwischen 70 und 180 mg/dl zu bleiben.

Was mich allerdings mittlerweile genauso fasziniert, ist, dass ich meinen Diabetes von einer ganz neuen Seite sehe. Mein Typ 1 wurde im September 1986 diagnostiziert, vor nunmehr 33 Jahren.

Seitdem habe ich viele Therapieformen und -umstellungen mitgemacht. Während meiner ICT habe ich nie verstanden, warum ich manchmal , zum Glück selten, nach einer Bolusgabe im Hypokoma landete und viele andere Male nicht.

Heute weiß ich, dass mein Basalratenbedarf täglich wechselt. In Nightscout sehe ich, dass meine Basalrate täglich anders ist. Während meiner ICT habe ich anfangs abends 42 IE Lantus gespritzt, dann bin ich übergegangen, morgens 22 IE und abends 20 IE zu spritzen. Jetzt verstehe ich auch, warum ich manchmal im Hypokoma gelandet bin. Wenn ich einen Tag erwischt hatte, an dem ich wenig Basalinsulin benötigte, hatte ich eine höhere Insulinsensitivität als üblich.Das zusätzliche Bolusinsulin hat mich dann schnell ins Koma geschossen.

Die Zusammenhänge waren mir damals nicht so klar, aber selbst wenn sie es gewesen wären, wäre es schwer gewesen, angemessen daruf zu reagieren.

Heute erledigt der Algorithmus die wesentlichen und wichtigen Basalratenänderungen. Natürlich trägt mein CGM ebenfalls enorm dazu bei.

Was ich mit dem Beispiel veranschaulichen möchte, ist die Wirkung, die die ständige Unsicherheit auf mich hatte. Ich fühlte mich öft unfähig, meinen Diabetes zu managen. Ich gab mir ständig die Schuld für die Entgleisungen.
Ich dachte immer: “Du bist doch nicht dumm, warum schaffst du es nicht, diese Entgleisungen in den Griff zu bekommen?”

Lange konnte ich mir diese Frage nicht beantworten. Heute sehe und verstehe ich die Zusammenhänge viel besser. Das Loopen gibt mir daher eine große Gelassenheit und Zufriedenheit mit meinem Diabetes.

Früher verharrte ich oft in einer Trotzhaltung mir gegenüber.
Heute brauche ich das nicht mehr, da ich durch die ganzen Einstellungsmöglichkeiten in Loop aktiv eingreifen kann. Es macht mir heute richtig Spaß, mich mit meinem Diabetes zu beschäftigen und die Einstellungen weiter zu optimieren.

Mir ist auch bewusst, dass ich mich nun mehr und besser mit meinem Diabetes beschäftige. Als ich vor einem Jahr mit dem Loopen anfing, dachte ich, dass ich das Management größtenteils an die App abgeben würde.

Heute weiß ich, dass das nicht der Fall ist. Ich manage meinen Diabtes nun wirklich selbstständig. Loop hilft mir dabei, aber derjenige, der meinen Diabetes letztenendes managt, bin ich.

Das habe ich mir immer seit meiner Diabetesdiagnose gewünscht, dass ich souverän mit meinem Diabetes umgehe. Daher freue ich mich auf neue Entwicklungen, die in der Diabetestherapie anstehen, die mir helfen, den Diabetes noch besser zu managen.