Diabetes Typ 1 und GLP1 – Ein Experiment!

Mounjaro Packung Spritze und Pen
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Die sogenannten „Abnehmspritzen“ sind ja derzeit überall Thema. Zugelassen sind Medikamente wie zum Beispiel Ozempic, Mounjaro und Wegovy derzeit für Menschen mit Typ2 Diabetes und für Menschen mit Adipositas.

Bild über die Wirksamkeit von GLP1, Darm in der Mitte, rundherum Herz, Leber, Muskeln Magen und gehirn

Die Mittel dienen primär der Gewichtsreduktion. Darüber hinaus haben sie auch Effekte wie Steigerung der Insulinsensibilität, ein reduziertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenprobleme, sowie ein geringeres Risiko für psychotische Störungen und Reduktion des Suchtverhaltens.

Auf internationalen Kongressen wird bereits über die Zulassung der Mittel für adipöse Menschen mit Typ1 Diabetes diskutiert.

Nun fragt man sich natürlich…

Warum nicht auch für alle Menschen mit Typ1 Diabetes? Eine Verbesserung der Insulinsensibilität ist für alle von Vorteil – es reduziert den Insulinbedarf und damit auch die Nebenwirkungen des Insulins, wie beispielsweise die Gewichtzunahme. Es wird erst recht interessant, wenn es derzeit so scheint, als wären die Mittel weitgehend nebenwirkungsfrei. Das ist auch schon der erste Punkt, den es zu beachten gilt: Es liegen noch keine Langzeitstudien vor!

Trotzdem habe ich mich getraut, diese Mittel zu testen. Ich habe Ozempic und Mounjaro ausprobiert.

Beide jeweils in einer geringeren Dosis, als sie normalerweise verordnet werden, da es mir nicht primär um Gewichtsreduktion ging. Um es kurz zu machen: Bei Ozempic kann ich über keine größeren, positiven Effekte berichten. Ich habe weder an Gewicht verloren, noch hat sich die Insulinempfindlichkeit merklich verändert. Auch die BZ- Schwankungen haben sich nur minimal verbessert. Dafür war mir jeweils am Tag nach der Spritze recht übel.

Anders bei Mounjaro – dies ist ein dual wirksamer GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist.

Packung Mounjaro, Pen und Einwegspritze
Bild: Caro Pudmensky

Ich habe mit einer halben Dosis begonnen und diese auf 2 Gaben pro Woche aufgeteilt (alle 4 Tage um genau zu sein).

lch habe damit in ca 30 Tagen etwa 4kg abgenommen. Der Insulinbedarf hat sich um gut 30% reduziert und die BZ-Schwankungen sind … na ja fast …so gut wie weg. Und das ohne irgendwelche Nebenwirkungen (in meinem Fall, n=1, das bitte ich ausdrücklich zu beachten!).

Die Reduzierung des Insulinbedarfs gilt es auch zu beachten, sollte man diese Medikamente einsetzen!

Die Stabilität der Werte ist unfassbar.

Es entspannt mein Leben mit Diabetes auf eine extreme, bisher nicht erlebte Weise.

Ich hatte oft mit recht starken Schwankungen zu tun.

Dies wurde durch die Menopause noch verstärkt.

(der Tag mit 88% TiR ist der Tatsache geschuldet, dass man herausfinden muss, wie weit man die Basalrate am Tag nach der Spritze absenken sollte!😉)

Statistiken aus AAPS mit TiR zwischen 97 und 100% (Ausnahme 1 Tag mit 88%

Solche Werte kann man mit viel Disziplin vielleicht auch ohne Medikation erreichen, aber ich habe das bisher nie geschafft. Meine Lebensqualität und Spontaneität hätten vermutlich sehr gelitten. Das war es mir nie wert. Mit dieser Medikation ist es so viel einfacher. Nun bleibt natürlich abzuwarten, in wie weit sich Nebenwirkungen zeigen und welche Ergebnisse die Langzeit-Studien bringen. Mein Plan ist es derzeit noch ca 2kg abzunehmen und dann die Dosierung nochmal zu reduzieren, um eine Art „Erhaltungslevel“ zu erreichen. Ich bin gespannt, wie das funktionieren wird. Dann sehen wir mal, ob sich der derzeit positive Effekt auf die Diabetes-Therapie halten lässt.

Meine Ärztin weiß Bescheid, auch wenn sie es nicht verordnet hat, toleriert sie es (Es ist für Menschen mit T1 nicht zugelassen!). Ich habe derzeit aber andere (legale! 😉) Wege, Mounjaro zu bekommen.

Wenn man sich in der Community umhört, findet man überraschend viele Menschen mit T1-Diabetes, die nicht adipös sind, die diese Mittel nehmen… nur spricht niemand darüber. Ärzte verordnen diese auch unter bestimmten Bedingungen, aber nur als Selbstzahler – von den Kassen wird es nicht übernommen.

Im Netz gibt es jede Menge „Klick-Tabellen“ zur Umrechnung der Dosis, oder Umrechnungstabellen, wenn man von einem Präparat auf ein anderes wechselt etc. Die Community ist, wie immer, sehr schnell dabei, sich selbst zu helfen.

lch hoffe darauf, dass zukünftig Studienergebnisse präsentiert werden können, die den Nutzen belegen und auf mögliche Spätfolgen schauen. Sollte das alles positiv laufen, hätten wir ein Medikament, das die Diabetestherapie wieder ein gutes Stück erleichtert!

Bleibt dann zu hoffen, dass die Kostenübernahme erweitert wird und die Preise sinken, sobald die Patente auslaufen und ggfs. Generika verfügbar werden!

Hinweis: Dies ist ein Selbstversuch, den ich eigenverantwortlich gemacht habe.

⚠️ Dies ist keine Empfehlung zur Nachahmung.

Hier gibt es eine gute Seite mit einem hervorragenden Beitrag zum Thema: https://theglucoseneverlies.com/glp1-t1d/#utm_source=twitter&utm_medium=social&utm_campaign=ep17_glp1&utm_content=page

Das Video dazu gibt es hier:

UPDATE:

Ich habe Mounjaro jetzt mal für etwa 5 bis 6 Wochen abgesetzt. Die Effekte, Schwankungen zu reduzieren, waren irgendwie nicht mehr so recht da – was aber auch an 1001 anderen Faktoren liegen könnte. Ich hatte recht regelmäßige, kleine Hypos, was ich dringend abstellen musste. Jedenfalls möchte ich euch meine Beobachtungen mitteilen: zunächst keine großen Veränderungen. Die Hypos konnte ich reduzieren. Die Depot -Wirkung scheint gut 3 Wochen anzuhalten. Dann merkte ich ein stetig ansteigenden Insulinbedarf, bis ich etwa wieder auf meiner vorherigen Dosis war – also etwa 30% mehr. Damit einher ging auch wieder vermehrter Appetit und somit eine leichte Gewichtszunahme von knapp 2 kg. Ergänzend dazu muss aber erwähntwerden, dass ich in der Zeit fast 2 Wochen krank war und entsprechend kaum Bewegung hatte. Sonstige Nebenwirkungen konnte ich nicht beobachten. Ich werde jetzt nochmal einen Versuch starten, mit einer noch geringeren Dosis zu starten, um zu schauen, ob sich der Insulinbedarf dadurch schon reduzieren lässt!

One thought on “Diabetes Typ 1 und GLP1 – Ein Experiment!

  1. T1, seit 26 Jahren, trotz Pumpe G780 mit AID + Loop sind in den letzten Monaten meine TiR und HbA1C völlig aus dem Ruder gelaufen. TiR<60%. Habe krankheitsbedingt in den letzten Monaten so gut wie keinen Sport machen können. Bin nun in der Woche 4 Ozempic 0,25mg/Wo.

    Das Zeug ist ein Laserschwert!!!
    Es geht mir nicht um eine Gewichtsabnahme, aber all die anderen Effekte sind aus meiner Sicht für – auch für T1 – unverzichtbar.
    – Insulinbedarf von 81 auf 51 IE/d, KH von 145g auf 110g/d, ohne Hungergefühl.
    – TiR(4W) 87%
    – keine Lust auf alles, was das Belohnungssystem im Gehirn so fordert
    es ist so einfach die Lust von den kleinen und großen Sünden zu lassen
    z.B. Alkohol, Chips, Schokolade,…. (Für mich die beste Wirkung von Ozempic)
    – ja, in der Folge bin ich auch bei -4kg.
    – HbA1C von 7,3 auf 6,9 % in 4 Wochen

    Nachteile:
    – In den ersten 2 Tagen ist auch mir übel, aber ertragbar.
    – Die Verdauung ist bei mir deutlich verzögert.
    – kann auch anteilig mit zu wenig Flüssigkeitsaufnahme/d zusammenhängen,
    ich muss immer selber daran denken etwas zu trinken, Kein Durstgefühl.
    Der Mund wird dadurch täglich immer sehr trocken.

    Als T1 sehe ich (bei einer Loop-Pumpe) das größte Risiko in
    – der verzögerten Magenentleerung- Eine Insulinabgabe zum Essen kommt bei größeren KH-
    Mengen definitiv in der Wirkung zu früh an.
    Es droht eine fette Hypo. Lieber den Loop einem BZ-Anstieg
    nachlaufen lassen, als „zu früh“ wirkendes Insulin im Körper zu haben.
    Auch schwierig in dem Zusammenhang zusätzlihce KH-gabe bei Hypo
    per essbarer KH(Gummibärchen,etc).
    Diese werden bei der Magenentleerung auch verzögert, kann also sehr schief gehen.
    Lieber Cola, Apfelsaft,…irgendwas dünnflüssiges hilft deutlich sicherer.
    – Drohende Euglykämische Ketoazidose . Da der Loop bei niedrig-normalem BZ die Basalrate
    abschaltet und das über Stunden – droht hier – meiner Meinung nach – die größte Gefahr.
    Insbesondere im Schlaf droht hier eine Ketoazidose. Bisher bin ich ganz gut hingekommen,
    meine längste Zeit ohne Basalrate waren 3,5h, was von den Blut-Ketonen her noch sehr OK war.

    Fazit: Es gibt aktuell für T1 , abhängig von der Therapieform, erhöhte Risiken für Entgleisungen.
    Als Diabetiker hab wir aber von morgens bis abends eh schon ständig mit (pot. tödlichen
    Risiken) umzugehen, daher sehe ich den Umgang mit diesen zusätzlichen Themen nicht
    als Problem. Das ist für uns doch eh part-of-daily-business.
    Aber allein die deutlich gesteigerte Insulinsensibilität ist es MIR wert.
    Immerhin pumpe ich jeden Tag 30% weniger Masthormone in meinen Körper.
    Auch wichtig für mich: der Kampf im Kopf hört auf! Ich muss nicht den ganzen Tag gegen mein
    Suchtzentrum kämpfen. Das setzt soviel Energie in einem frei, die sonst für die Selbstkontrolle
    verschwendet werden müssen. Da kann ich mir meine Dopamin-Ladung woanders gesünder
    holen.

    Lösen kann man sicherlich die oben genannten Riskien recht leicht.
    Die Steuerungssoftware der Insulinpumpen müssten ein update bekommen(spätestens wenn die Behandlung für T1 legal werden würde).
    Die Basalratensteuerung müsste bei paralleler GLP1-Behandlung etwas anders in der Basalabgabe gesteuert werden müssten um die Ketoazidose zu verhindern.
    Auch die verzögerte Magenentleerung ließe sich per Software sehr, sehr unproblematisch über automatisch verzögerte Insulinabgaben sauber managen..

    Für mich ein klares Fazit bisher:
    GLP-1+T1+Loop auf die 1

    Viel Erfolg beim Experimentieren!
    Markus
    (Geht nicht! Kennt T1 nicht!)

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