Erfahrungen mit dem kommerziellen Closed Loop von Medtrum

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Nach inzwischen acht Monaten mit dem Closed Loop System von Medtrum möchte ich gerne meine Erfahrungen teilen.
Bei mir wurde vor knapp 50 Jahren Diab Typ 1 diagnostiziert und ich trage seit 40 Jahren Insulinpumpen. Ich habe die Entwicklung vom Spritzbesteck zum Auskochen über den ersten Metallkasten mit einer Basalrate, die für mich ersten Algorithmen im DIY IAPS bis hin zur KI unterstützten kommerziellen Variante durch und bilde mir ein, ein wenig Erfahrung zu haben.

Zur Medtrum Easy Patch Pumpe bin ich zunächst gekommen, weil ich mit dem Omnipod Dash nicht mehr gut klarkam. Ich hatte Entzündungen auf der Haut und die im 45 Grad Winkel liegende Teflonkanüle hielt das Insulin nicht mehr im Gewebe. Bei etwas größeren Boli trat es aus. Meine BZ Werte waren ok, aber es gab noch Luft nach oben. Seitdem ich mein „Schlauchtrauma“ überwunden hatte, kam für mich nur eine Patchpumpe in Frage. So stieß ich auf die Medtrum und entschied mich nach einigen Zweifeln bzgl des Herstellerlandes in Anbetracht der nicht deutlich besseren Alternative im August 2025 für Medtrum.

Bild der Medtrum Pumpe, des Sensors und eines Handys mit dem App-Bildschurm

Der erste wesentliche Unterschied ist die im 90 Grad Winkel liegende sehr feine Stahlkanüle, die für mich fantastisch funktioniert. Kein Insulinaustritt mehr und deutlich bessere BZ Werte. Wenn ich einen Patch entferne, sehe ich fast nichts auf der Haut. Der Kleber ist bei mir (Pflasterallergie) supergut verträglich und hält auch i. d. R. problemlos. Die Pumpe ist deutlich kleiner als der Omnipod und aufgrund der immer wieder verwendetet Elektronik (sie wird auf den Patch „aufgeklipst“) erscheint sie mir auch nachhaltiger.

Sie hat eine Vielzahl einstellbarer Alarme. Hier gibt es allerdings ein Problem:
Es gibt einen Alarm, den man meines Wissens nicht verstellen kann. Das ist der Alarm für den Ablauf des Patches bei nahezu leerem Tank. Der Ton liegt in einem hohem Frequenzbereich. Wer erste Probleme mit einer Schwerhörigkeit hat, hört diesen Alarm unter Umständen nicht. Mein Gehör funktioniert aber noch ganz gut:)

Ich habe die Medtrum Easy Patch zunächst in IAPS verwendet. In jeglicher Hinsicht funktionierte das sehr gut.

Da ich grundsätzlich neugierig auf jede Weiterentwicklung bin, Medtrum vor acht Monaten bereits KI unterstützt arbeitete und IAPS damals noch nicht soweit war, habe ich mich im November 2025 auch für das Nano Touch Care CGM entschieden.
Ich tat dies, obwohl ich bereits Stimmen gehört hatte, die von ungenauen Messwerten sprachen. Da ich den Vorteil habe, als Beamtin und privat Versicherte sowohl bei Pumpen, als auch bei Sensoren ohne erneute Anträge hin- und herwechseln zu können, konnte ich den Versuch wagen. Ich möchte vorwegnehmen, dass er bei mir zu einer sehr erfolgreichen Dauerlösung geworden ist. Ich genieße es sehr, dass ich nicht ständig IAPS updaten muss, dass das System läuft, ohne dass ich ständig Entscheidungen treffen muss… Mein Diabetes soll in meinem Leben eine Nebenrolle spielen, und das funktioniert für mich mit dem Medtrum System.

Die Bedienung der Medtrum ist anfangs gewöhnungsbedürftig….. Das Menu ist nicht konsequent logisch, aber man gewöhnt sich daran…. Im Vergleich zu IAPS ist die Oberfläche deutlich weniger umfangreich. Es gibt kaum Einstellmöglichkeiten und die Erläuterungen sind nicht immer klar. Aber man findet sich zurecht. Für mich wesentlich war und ist, dass ich mit dem System supergut klarkomme. Ich sage der App nur, dass ich esse, aber nicht wieviel. Wenn es nicht gerade vier Stücke Kuchen sind, kriegt das System im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve. Meine BZ Werte sind stabil, und weichen zwar manchmal ein bisschen vom blutig gemessenen Vergleichswert ab, aber nicht eklatant. Oftmals liegen die Werte unter 10 md/dl auseinander. Als ehemaliger IAPS User muss man lernen, loszulassen…. Man weiß nicht, wie der Algorithmus/die KI funktioniert. Man sieht nur, ob es klappt oder nicht.

Und da ist genau der Haken! Es klappt offenbar nicht bei jedem gleich gut!

Ich bin nicht der einzige Looper in unserer (inzwischen) Kleinfamilie. Mein Mann hat bis zur Medtrum Patch Pumpe in IAPS den identischen Vorlauf wie ich. Da er mit IAPS regelmäßige Kämpfe ausgetragen und ihm die Vielfalt der Einstellmöglichkeiten viel zu groß war, ihm außerdem Verbindungsabbrüche das Leben schwer machten (das lag an seinem IPhone, wie wir inzwischen wissen), ist er mir auf meinem Weg gefolgt. Auch er hat sich nach ein paar Monaten mit der Medtrum in IAPS für das TouchCare Nano CGM entschieden. Um auch bei ihm das Ergebnis vorwegzunehmen:  Es gibt viel Luft nach oben.

Wie auch ich es gemacht habe, hat er zunächst mit seiner letzten Basalrate und ohne jede Automation begonnen. Bereits hier merkte man, dass die BR nicht so ganz stimmte. Nach einer, wahrscheinlich zu kurzen Anpassungszeit, hat er zunächst den Automodus eingeschaltet. Die Korrekturen der BZ Werte liefen an und es wurde besser. Dann kam der Automahlzeiten Modus dazu. Bis dahin musste er für jedes Essen noch ganz normal die KH eingeben. Nach einer Weile mit ganz guten Werten fing das System in beide Richtungen an zu übersteuern, was zu eklatanten Schwankungen führte.

Hinzu kam, dass blutig gemessene BZ Werte bei ihm teilweise erheblich von den „Medtrum-Werten“ abweichen…
Er hatte sein CGM zu Beginn wesentlich seltener kalibriert als ich. Ich hatte das anfangs trotz Einstellung der Werkskalibrierung recht häufig gemacht. Ich weiß nicht, ob das sein Fehler war.

Fakt ist, dass die Kombi der Übersteuerungen mit ungenauen BZ Werten keinen Spaß macht!!!

Was bei ihm auch deutlicher wird als bei mir, ist die Trägheit des Systems. Bei einer Unterzuckerung zeigt die Easy Patch App oftmals viel zu lange zu niedrige Werte an. Entsprechendes passiert bei zu hohen Werten…. Wenn man dann nicht blutig nachmisst, kann das zu fatalen Fehlentscheidungen führen.

Wir haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Mein Mann hat jetzt nochmal zwei Schritte zurück gemacht. Er kalibriert häufiger und lässt den Automodus für Mahlzeiten erstmal ausgeschaltet. Erste Besserungen sind schon nach zwei Tagen sichtbar.
Außerdem entwickelt Medtrum weiter…

Mein Fazit:

Das System ist fantastisch, wenn es funktioniert. Ich weiß es nicht sicher, aber ich glaube, dass man dem Loopsystem von Medtrum anfangs auf die Sprünge helfen muss. Man muss sich interessieren, man muss kalibrieren. Man muss anfangs die Insulinempfindlichkeit und die KH Faktoren korrigieren, um dem System einen besseren Start zu geben, auch wenn es darauf später gar nicht mehr zurückgreift.. Man darf das System nicht stundenlang ignorieren und dann bei zu hohen Werten mit dem Pen dazwischenfunken (auch das hat mein Mann des Öfteren getan). Wie soll der Algorithmus so lernen? Man muss auf die in großer Vielfalt einstellbaren Alarme reagieren (eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit).

Wenn man sich anfangs gut kümmert, so glaube ich, wird man mit einem tollen System belohnt.

Carolyn Patzelt

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